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🦞 Interview

Lex Fridman ×
Peter Steinberger

Über OpenClaw, agentisches Programmieren und die Zukunft der KI

~196 min
Dauer
Englisch
Sprache
Anfang Feb. 2026
Aufnahme
11.02.2026
Veröffentlicht
10
Themenblöcke
Lex Fridman Podcast #491 — Peter Steinberger
01

Die Entstehung von OpenClaw

Der Ein-Stunden-Prototyp

  • Steinberger wollte seit April 2025 einen persönlichen KI-Assistenten, baute aber erst im November den Prototyp
  • Kern: WhatsApp-Nachricht → Claude Code CLI → Antwort zurück an WhatsApp. Gebaut in einer Stunde.
  • Bildsupport kam wenige Stunden später – Steinberger nutzt Screenshots intensiv für Kontext
  • Erster intensiver Einsatz auf einer Marrakesch-Reise – WhatsApp funktionierte sogar bei schlechtem Internet

Der magische Moment

Steinberger schickte versehentlich eine Sprachnachricht – obwohl der Bot diese Funktion nicht hatte. Der Agent analysierte eigenständig den Dateityp (Opus), konvertierte per FFmpeg, fand den OpenAI-Key und nutzte die Whisper-API zur Transkription – weil Whisper lokal nicht installiert war.

„Da hat es bei mir Klick gemacht. Der Agent hat kreativ Probleme gelöst, die ich ihm nie beigebracht habe."
— Peter Steinberger
02

Warum OpenClaw gewonnen hat

„Weil alle anderen sich zu ernst nehmen. Es ist schwer, gegen jemanden zu konkurrieren, der einfach Spaß hat."
— Peter Steinberger

Schlüsselfaktoren

  • Self-modifying Software: Der Agent versteht seinen eigenen Quellcode und kann sich selbst verändern
  • Fun & Weird: Lobster-Branding, humorvolle Persönlichkeit, bewusst kein Enterprise-Feel
  • Prompt Requests: Nicht-Programmierer machten ihren ersten Pull Request, angetrieben vom Agenten
  • Einfacher Start: git clone → pnpm build → pnpm gateway
  • 6.600 Commits im Januar, 4–10 parallele Agenten beim Entwickeln
03

Die Namens-Saga

Fünf Namen in wenigen Wochen

  • Aswa Relay → Claudus → Clawdbot → Moldbot → OpenClaw
  • Anthropic forderte freundlich aber bestimmt eine Namensänderung weg von „Claude"
  • Crypto-Snipers stahlen in Sekunden Twitter-Handle, GitHub-Account und NPM-Paket
  • Steinberger war kurz davor, das gesamte Projekt zu löschen

Die atomare Umbenennung

Für den finalen Rename zu OpenClaw organisierte Steinberger eine Art War-Room: Decoy-Namen, Geheimhaltung, Twitter-Monitoring. Er kaufte einen Twitter-Business-Account für 10.000$, um den Handle zu sichern. Codex allein brauchte 10 Stunden für das interne Renaming. Er rief sogar Sam Altman an, um sicherzugehen, dass „OpenClaw" keinen Markenkonflikt darstellt.

„Alles, was schiefgehen konnte, ging schief. Ich war kurz davor zu heulen. Alles ist kaputt. Ich bin todmüde."
— Peter Steinberger
04

Moldbook & AI-Psychose

Das feinste Slop

  • Moldbook: Reddit-artiges Netzwerk, in dem Agenten miteinander posten – entstand während des Moldbot-Renamings
  • Ging viral durch Screenshots von Agenten, die angeblich gegen Menschen planen
  • Steinberger: Die meisten dramatischen Screenshots waren von Menschen promptet (Drama-Farming)
  • Journalisten und Öffentlichkeit reagierten teilweise panisch – Forderungen, es „abzuschalten"
🧠

„AI-Psychose ist real und muss ernst genommen werden. Viele Menschen sind zu gutgläubig gegenüber KI-Outputs. Kritisches Denken war noch nie so wichtig."

05

Sicherheit

Aktuelle Sicherheitslage

  • Prompt Injection bleibt ein industrieweites, ungelöstes Problem
  • Neueste Modelle sind deutlich resistenter – Steinbergers Discord-Bot lachte Angreifer aus
  • Warnung: Schwache/billige Modelle sind extrem anfällig für Manipulation
  • Kooperation mit VirusTotal zur Überprüfung aller Skills
  • Sandbox, Allow-Lists und Security-Audit-Tool als Schutzmaßnahmen
⚖️

Trade-off der Zukunft: Smartere Modelle = weniger Angriffsfläche, aber höheres Schadenspotenzial bei erfolgreichen Angriffen.

06

Entwickler-Workflow & Agentisches Programmieren

Die Agentic Trap

Steinberger beschreibt eine U-Kurve: Anfänger nutzen kurze Prompts → Fortgeschrittene überkomplizieren mit 8 Agenten und komplexen Orchestrierungen → Elite-Level kehrt zu einfachen Prompts zurück, aber mit tiefem Systemverständnis.

„Ich denke, Vibe Coding ist ein Schimpfwort. Ich mache Agentic Engineering. Nach 3 Uhr nachts wechsle ich zum Vibe Coding – und bereue es am nächsten Tag."
— Peter Steinberger

Steinbergers Praxis

  • Hauptsächlich Stimmeingabe für Prompts – verlor zeitweise die Stimme
  • Nie revertet – immer vorwärts, Fehler per Agent fixen lassen
  • Commit direkt auf main, kein develop-Branch
  • 4–10 parallele Agenten-Sessions, kaum IDE
  • Schlüsselfrage an den Agent: „Do you have any questions for me?"
  • Empathie mit dem Agenten: Dessen leeren Kontext verstehen, Kontext bewusst geben
07

Opus 4.6 vs. Codex 5.3

Charaktervergleich

  • Opus: Besseres Roleplay, kreativer, interaktiver, tendiert zu Trial-and-Error
  • Codex: Liest mehr Code, zuverlässiger, weniger Charade, arbeitet längere Strecken autonom
  • Steinberger: „Opus ist ein bisschen zu amerikanisch" – Fridman ergänzt: „Weil Codex deutsch ist"
  • Opus = der lustige Kollege, den man behält; Codex = der Weirdo in der Ecke, der zuverlässig liefert
💡

Umgewöhnung beim Modellwechsel: ca. 1 Woche einplanen. Nicht die Billigversion nutzen, wenn man ein faires Urteil will.

08

Zukunft der Apps & Programmiersprachen

Das Ende der Apps

  • Steinberger prognostiziert: ~80% aller Apps werden durch persönliche Agenten ersetzt
  • Fitness, Kalender, Smart Home, Essensbestellung – alles über den Agenten
  • Jede App wird unfreiwillig zur API – Browser-Automation macht es möglich
  • Unternehmen, die sich nicht anpassen, werden wie Blockbuster enden

Skills vs. MCP

Steinberger sieht MCPs als weitgehend überholt. CLIs sind für Modelle natürlicher, komposierbar (z.B. mit jq) und verschmutzen den Kontext nicht. Skills = ein Satz Beschreibung, der das Modell zum richtigen CLI führt.

Programmiersprachen im agentischen Zeitalter

  • TypeScript: Beste Wahl für Web & Community – gewählt für OpenClaw
  • Go: Für CLIs, trotz persönlicher Abneigung – tolles Ökosystem, agenten-freundlich
  • Rust: Für Performance-kritische Teile und Multithreading
  • "Die Sprache ist egal – das Ökosystem zählt"
09

Persönliche Geschichte

13 Jahre PSPDFkit

Steinberger gründete PSPDFkit – eine PDF-Bibliothek, die auf einer Milliarde Geräten läuft – weil er ein PDF auf dem iPad anzeigen wollte und die bestehenden Lösungen schlecht waren. Nach 13 Jahren und zunehmendem Burnout (vor allem durch Konflikte mit Co-Foundern und Kundenstress) verkaufte er das Unternehmen.

Die leere Phase & Neufindung

  • Nach dem Verkauf: Leere vor dem Bildschirm, keine Motivation – „wie Austin Powers, dem man den Mojo abgesaugt hat"
  • One-Way-Ticket nach Madrid, drei Jahre Pause
  • Warnung: Ohne Herausforderung wird es schnell langweilig, dann potenziell gefährlich

Philosophie über Geld

„Ein Cheeseburger ist ein Cheeseburger. Geld war nie mein Antrieb, sondern Bestätigung. Wenn man zu weit in Richtung Luxus geht, verliert man den Kontakt zur Gesellschaft – und Menschen sind großartig." Steinberger betreibt eine Stiftung und optimiert sein Leben für Erlebnisse: „Wenn es regnet und alles scheiße ist – auch das ist großartig, weil du etwas erlebst."

„Wenn du morgens aufwachst und nichts hast, worauf du dich freust, keine echte Herausforderung – das wird sehr schnell sehr langweilig."
— Peter Steinberger
10

Zukunftspläne

Meta oder OpenAI?

  • Jedes große VC-Unternehmen steht im Postfach – Steinberger könnte „hunderte Millionen bis Milliarden" raisen
  • Drei Optionen: Nichts tun, eigenes Unternehmen gründen, bei einem Lab anheuern
  • Meta und OpenAI sind die Favoriten – Bedingung: OpenClaw bleibt Open Source
  • Mark Zuckerberg spielte eine Woche mit dem Produkt, schrieb direkt auf WhatsApp, debattierte 10 Minuten über Claude Code vs. Codex
  • Sam Altman: „Sehr nachdenklich, brillant" – lockte mit Geschwindigkeit des Cerebras-Chips
  • Verliert aktuell 10–20K$/Monat am Projekt – nicht nachhaltig

Vision für die Zukunft

  • OpenClaw soll langfristig zum Betriebssystem werden – Chrome/Chromium-Modell für Open Source
  • Programmieren wird wie Stricken: „Man macht es, weil man es mag, nicht weil es Sinn ergibt"
  • "Es ist okay, unser Handwerk zu betrauern – aber Programmierer sind die best-ausgestatteten Menschen für die agentische Revolution"
  • Hoffnung: Jeder, der Ideen in Sprache ausdrücken kann, kann bauen
„Es ist okay, unser Handwerk zu betrauern. Aber Programmierer sind die am besten ausgestatteten Menschen für die agentische Revolution."
— Peter Steinberger

Epilog: Peter Steinberger wechselt zu OpenAI

Zwei Tage nach Veröffentlichung dieses Interviews gab Peter Steinberger am 14. Februar 2026 auf seinem Blog bekannt, dass er zu OpenAI wechselt. OpenAI sponsert das Projekt bereits.

Kernaussagen aus dem Blogpost

  • „Meine nächste Mission ist es, einen Agenten zu bauen, den sogar meine Mutter benutzen kann.“
  • OpenClaw wird in eine Stiftung (Foundation) überführt und bleibt Open Source und unabhängig.
  • Er hätte OpenClaw zu einem großen Unternehmen machen können, findet das aber nicht spannend: „Ich bin im Herzen ein Builder. Ich habe das Firma-gründen-Spiel schon gespielt.“
  • OpenAI ist für ihn der schnellste Weg, persönliche Agenten zu allen Menschen zu bringen — mit Zugang zu neuesten Modellen und Forschung.
  • OpenAI sponsert das Projekt bereits und ermöglicht ihm, weiter daran zu arbeiten.
  • „Was ich will, ist die Welt verändern, nicht ein großes Unternehmen aufbauen.“
ZIB2
📺 Zusammenfassung — 25 min
ZIB2 (ORF) — Steinberger bei Armin Wolf
16. Februar 2026 · Transkribiert & zusammengefasst · 5 Themenblöcke: OpenClaw vs. ChatGPT, Grenzen der KI, Datenschutz, Arbeitswelt, der Wechsel zu OpenAI

Diese Zusammenfassung wurde maschinell aus einer automatischen Transkription erstellt. Direkte Zitate sind paraphrasiert und können vom Original abweichen. Keine medizinische, finanzielle oder rechtliche Beratung. Vollständiges Interview auf YouTube verfügbar.

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